Thursday, July 24, 2008 Hurricane Wilma in Florida in 2005 English Deutsch

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Neues von Freitag (ja, fühle mich hier etwas wie Robinson Crusoe)
2005, November 4th, 8:00am (14:00 MEZ)
Guten Morgen allerseits.

Der Tag fängt mit guten Nachrichten an. Jedenfalls für die Autofahrer. Es wird uns grade mitgeteilt das Teile Südfloridas zur Ampelfreien Zone erklärt wurden da die Reparaturen der Anlagen bis zu einem Jahr (!!) dauern können.
Klasse, vor allem wenn man bedenkt das diese Hurricane Saison noch bis Ende November geht und die ersten Vorstellungen der 2006 Saison für den darauffolgenden Juni geplant sind.


Ampelfreie Stadt
2005, November 4th, 9:00am (15:00 MEZ)
Hier sitzen noch immer rund 590,000 Leute im dunkeln und munkeln. Jemand von unserem E-Werk teilte mir gestern Abend mit das, laut seines Computers, unsere Insel bereits wieder unter Strom steht. Ich fragte Ihn ob das ein Windows Computer ist... denn Strom haben wir keinen. Es war ein Windows computer und er will nun mal sehen was da falsch gelaufen ist. Ich hoffe er meinte damit unseren Strom und nicht seinen Computer.
2005, November 4th, 10:30am (16:30 MEZ)
User Sheriff wird langsam nervös das die über 2.000 Insassen unseres lokalen Gefängnisses die Geduld verlieren und auf die Barikaden gehen. Unsere Elektriker haben daher den Knast auf höchste Priorität gestellt um die Jungs wieder unter Strom zu setzen. Keine schlechte Idee:-)
Und da wird uns immer eingeprägt das sich Kriminalität nicht bezahlbar macht. Ich zahle Steuern und sitze im dunkeln und die Knastrologen haben warme Duschen und Fernsehen.
2005, November 4th, 3:00pm (16:30 MEZ)
Die letzten Zahlen der Elektrizitätswerke sollen uns helfen den Mut nicht zu verlieren. 474.000 Haushalte sitzen z. Zt. noch im dunkeln. Man beachte das man von 'Einwohnern' auf Haushalte umgestellt hat. Das macht die Zahlen natuerlich kleiner :-)
2005, November 4th, 4:30pm (22:30 MEZ)
Eine Foodbank hat berichtet das sie für über $200,000 Essen wegwerfen mussten das man an die Armen zum kommenden Erntedankfest verteilen wollte. Und die Nuss vom E-Werk erklärte mir gestern doch allen ernstes das ja alles unter Kontrolle sei und man den Strom spätestens bis zum 13ten wieder am laufen hat.
Versteht mich nicht falsch, Ich meckere nicht weil Ich kalt duschen muss; oder weil Ich kein vernünftiges Brot bekomme (was selbst an guten Tagen schwer ist wie jeder Amerikabesucher bestätigen wird). Damit kann Ich durchaus für eine Weile zurechtkommen. Ich habe ein Dach über dem Kopf und noch gut 300 Liter Strom in den Tanks.
Was man aber bedenken muss ist das -ähnlich wie in New Orleans- ein erheblicher Teil der Bevölkerung hier so grade am Rande der Armut entlangtanzt und für diesen Teil der Einwohner -und deren Kinder- ist diese Situation eine existenzbedrohende Sache.
Miami sieht toll aus im Fernsehen. Hochhäuser am Strand, Palmen, Merzedes an der Uferstrasse und weisse Boote am privaten Anleger für die wenigen die sich sowas leisten können. Was nicht so bekannt ist, Miami ist die drittärmste Stadt in den USA. Hinter der schönen Fassade verbirgt sich ein trauriger Alltag aus Armut und Kriminalität.
Eine lokale PR Firma hat sich heute doch tatsächlich über eines meiner Photos beschwert. Es werfe ein schlechtes Bild auf die Stadt. Da waren sie bei mir genau an der richtigen Addresse. Wenn die Jungs ihre klimatisierten Büros verlassen, sollten sie zur Abwechslung einmal nicht mit dem BMW zu den Restaurants der Touristenschikeria fahren sondern mit dem Bus zur westseite der Stadtautobahn. Dann würden sie sehr schnell sehen das hier nicht alles so schön ist wie man der Welt mit einer modernen Form der potemkinschen Dörfer vorgaukelt.
2005, November 4th, 9:00pm (21:00 MEZ)
Kopfschmerzen wie ein König. Mein Nachbar, ein depperter Oesterreicher, kann sich anscheinend keinen 'normalen' Generator leisten und hat daher von der Baustelle einen alten Dieselgenerator mit nach Hause gebracht. Jetzt habe Ich die Bude voller Dieselabgase und mein Schädel brummt wie eine Kreissäge.
Man kann halt immer nur soviel Frieden im Leben finden wie es die Mitmenschen um einen herum zulassen.

Depperter Oesterreicher




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